Die Corona-Lage in Deutschland spitzt sich zu. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist am Montag auf extrem hohen Niveau. Bei der Inzidenz meldet das RKI einen Rekordwert. Der News-Ticker.

  • Die Corona-Zahlen* in Deutschland steigen unerbittlich an. Das RKI meldet am Montag einen neuen Rekordwert.
  • Kanzleramtsminister Helge Braun schließt Schulschließungen nicht aus (Update vom 14. November, 19.45 Uhr).
  • Karl Lauterbach (SPD) fordert nun „3G“ im Bahn-Fernverkehr (Update vom 14. November, 11.48 Uhr).
  • Dieser News-Ticker zu Corona* in Deutschland wird fortlaufend aktualisiert.

Update vom 15. November, 6.18 Uhr: Die 7-Tage-Inzidenz hat zum ersten Mal die 300er-Marke geknackt. Das RKI meldet am Montagmorgen eine Inzidenz von 303,0 für ganz Deutschland (Vortag: 289,0; Vormonat: 68,7).

Binnen eines Tages sind weitere 23.607 Corona-Neuinfektionen und 43 weitere Todesfälle gemeldet worden (Vorwoche: 33 Todesfälle). Das geht aus den Daten des RKI-Covid-19 Dashboards am Montag (15. November) hervor.

Corona in Deutschland – Die Inzidenz in den Bundesländern (Stand 15. November 2021)

Bundesland 7-Tage-Inzidenz (Stand 15. November 2021)
Baden-Württemberg 386,0
Bayern 525,7
Berlin 306,2
Brandenburg 376,1
Bremen 113,4
Hamburg 167,0
Hessen 184,9
Mecklenburg-Vorpommern 176,4
Niedersachsen 132,8
Nordrhein-Westfalen 167,0
Rheinland-Pfalz 167,6
Saarland 190,1
Sachsen 754,3
Sachsen-Anhalt 304,9
Schleswig-Holstein 98,4
Thüringen 543,2

Lauterbach fordert Corona-Verschärfung – Merkel-Vertrauter schließt harten Schritt nicht mehr aus

Update vom 14. November, 19.45 Uhr: Kanzleramtsminister Helge Braun schließt Schulschließungen nicht aus. Das sagte der Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel am Sonntag in einem Interview mit der Welt am Sonntag. Man müsse Schulschließungen aktuell nicht erwägen, doch man sei gut beraten, „nichts apodiktisch auszuschließen“, denn „wir müssen weiter Achtung vor der Pandemie haben“, so Braun, der mittlerweile auch offiziell den CDU-Vorsitz anstrebt.

Die Christdemokraten fordern auch konkrete Maßnahmen, etwa eine Verlängerung der „epidemischen Lage nationaler Tragweite“ oder ein Lockdown für Ungeimpfte. Eigentlich soll die epidemische Lage am 25. November auslaufen. Doch der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Hendrik Wüst beispielsweise ist dafür, den Status bis Mitte nächsten Jahres laufen zu lassen, wie die Bild berichtet. Aus Sicht von Wüst würde das Bund, Ländern und Kommunen mehr Möglichkeiten geben, „Schlimmeres zu verhindern.“

Robert Habeck hatte indes vorgeschlagen, einen Lockdown für Ungeimpfte in Erwägung zu ziehen*. „Kontaktbeschränkungen sind schmerzliche Einschnitte, das wissen wir alle noch zu gut. Angesichts der dramatischen Lage können sie für Ungeimpfte regional nötig werden“, so Habeck gegenüber der Funke Mediengruppe.

Derzeit etwa 3.000 Corona-Intensivpatienten in Deutschland

Update vom 14. November, 17.14 Uhr: Die Zahl der Corona-Intensivpatienten in Deutschland steigt: Aktuell liegen 3034 an Covid-19 erkrankte Menschen auf Intensivstationen. Von Samstag auf Sonntag erhöhte sich die Zahl damit um 93. Etwa die Hälfte von ihnen (1557) muss invasiv beatmet werden. Das geht aus dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) hervor. Das Register weist insgesamt 21.843 Intensivbetten in Deutschland aus. Am Sonntag waren bereits 19.160 davon belegt, etwa jeder sechste Kranke auf einer Intensivstation ist demnach aktuell ein Corona-Patient.

Die Anzahl der Corona-Kranken auf Intensivstationen hatte im Januar dieses Jahres mit 5762 ihren bisherigen Höchststand erreicht. Allerdings hatten während der Pandemie tausende Pfleger aufgrund der extremen Belastung ihren Job gekündigt*, sodass aktuell weniger Pflegepersonal zur Verfügung steht als zu Beginn der Corona-Krise.

Corona in Deutschland: Sachsen erhält 4,5 Millionen FFP2-Masken

Update vom 14. November, 14.22 Uhr: Sachsen erhält von der Bundesregierung kostenlos kurzfristig 4,5 Millionen FFP2-Masken und eine Million Schnelltests. Die Masken aus den Bundes-Beständen stammten aus deutscher Produktion und würden für die besonders von Corona betroffenen Regionen im Freistaat zur Verfügung gestellt, erklärte das Bundesgesundheitsministerium der Sächsischen Zeitung vom Montag.

Demnach hatte die sächsische Landesregierung den Bund hierbei um Unterstützung gebeten. „Es zeigt sich, dass es gut war, über den Sommer Reserven an Schutz- und Testmaterial aufzubauen. Das hilft nun“, sagte der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) der Zeitung.

Unabhängig davon liefert der Bund den Angaben zufolge zur Zeit erneut kostenlos Schutzmasken an alle Pflegeheime in Deutschland. Die vierte Corona-Welle wird nach Einschätzung von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU*) bis Ostern dauern und eine Rekordzahl an Toten* bringen.

Corona-Krise: Lauterbach fordert 3G-Regel im Bahn-Fernverkehr

Update vom 14. November, 11.48 Uhr: „In dieser Corona-Situation ist es unverantwortlich, dass Menschen ungeimpft und ungetestet in vollen Zügen im Fernverkehr stundenlang eng neben anderen Passagieren sitzen“: Karl Lauterbach hat wegen der aktuellen Corona-Zahlen (siehe Erstmeldung) strengere Regeln im Bahn-Fernverkehr gefordert.

Der Bild am Sonntag (BamS) erläuterte der SPD-Gesundheitsexperte sein Anliegen damit, dass ohne eine 3G-Regel (Zugang nur für Geimpfte, Genesene und Getestete) in diesen Zügen 50 Prozent der Plätze frei bleiben müssten. Das sei Geimpften insbesondere in der Weihnachtszeit kaum zumutbar.

Deutschland: Über fünf Millionen Corona-Infektionen nachgewiesen – Inzidenz 289,0

Erstmeldung vom 14. November: Berlin – Deutschland hat die Fünf-Millionen-Marke überschritten: Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Sonntagmorgen 33.498 erfasste Corona-Neuansteckungen binnen 24 Stunden – seit dem Pandemie-Beginn gab es damit hierzulande 5.021.469 Fälle. Ihre tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

55 neue Todesfälle an oder mit Covid-19 kamen am Samstag außerdem hinzu. Die Gesamtzahl der verzeichneten Todesfälle im Zusammenhang mit dem Erreger liegt nun bei 97.672. Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz beträgt aktuell 289,0 (Vortag: 277,4). Am Montag (8. November) hatte der Wert die Schwelle von 200 überschritten.

Aktuelle Corona-Zahlen für Deutschland: „Diese Welle wird mehr Todesopfer verlangen“

Deutschland stehen nach Überzeugung von Politikern und Ärztevertretern äußerst harte Wochen in der Corona-Pandemie bevor.„Diese vierte Welle wird mehr Opfer, auch mehr Todesopfer, verlangen als alles, was wir bisher kannten“, wird Kretschmer in der Bild am Sonntag (BamS) zitiert. Er stellte die Menschen zugleich darauf ein, dass die angespannte Situation noch Monate andauern wird. „Aus dem vergangenen Jahr wissen wir: Wir müssen bis Ostern durchhalten. Vorher wird diese Welle nicht zu Ende sein.“

„Die Lage in Deutschland hat eine äußerste Dramatik“, warnte Grünen-Chef Robert Habeck. „Die Welle, die wir vor uns haben, wird alle bisherigen Wellen in den Schatten stellen“, befand Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU).

Divi-Leiter zur Corona-Lage in Deutschland: „Uns rennt wirklich die Zeit davon“

DIVI-Leiter Christian Karagiannidis, twitterte am Samstagabend: „Die eingeschränkte Betriebsfähigkeit der Intensivstationen und der Personalmangel haben ein All-Time-High erreicht. Die Mitarbeiter:innen rackern gerade weg, was sie können, aber sie sind zunehmend am Limit.“ In der rbb-Abendschau warnte er: „Uns rennt im Moment wirklich die Zeit davon.“

Karagiannidis rechnet damit, dass die Schwelle von 3000 Covid-Patienten auf Intensivstationen in den kommenden zwei bis drei Tagen erreicht werde. Am Samstag meldete die DIVI 2941 Covid-Patienten, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen. Innerhalb von zwei Wochen stieg die Zahl um rund 1000. Stärker als bei vorherigen Infektionswellen gebe es regionale Unterschiede. „Vor allen Dingen Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen, Thüringen bereiten mir doch größte Sorgen“, sagte der Intensivmediziner.

Corona-Krise: „Uns droht einer regelrechter Exodus in der Pflege“

Karagiannidis verwies zudem darauf, dass die Zahl der Pflegekräfte während der Pandemie substanziell abgenommen habe. Verdi-Vorstand Sylvia Bühler sagte der BamS: „Uns droht ein regelrechter Exodus in der Pflege.“

Die Bundeswehr will laut Spiegel bis Weihnachten 12.000 Soldaten zur Unterstützung von überlasteten Kliniken und Gesundheitsämtern mobilisieren. Uniformierte Helfer sollten auch für Booster-Impfungen und Schnelltests vor Pflegeheimen und Hospitälern bereitstehen. (AFP/dpa/frs) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA